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Gute Reise Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, aber ich fliege in zwei Wochen nach USA, genauer nach Washington. Ich hab bei einem Fernsehquiz mitgemacht und gewonnen. Da hab ich jahrelang kein Glück gehabt und jetzt das. Ich habe schon alle nötigen Vorkehrungen getroffen, jetzt muss ich nur noch dem Wunsch des Senders nachkommen. Dieser hat für mich einen Vorbereitungskurs gebucht und bezahlt, in dem ich lernen soll, als deutscher Tourist möglichst amerikanisch in Amerika meinen Urlaub zu verbringen.
Also finde ich mich samstagmorgens zusammen mit anderen Amerika Reisenden in einer Hotellobby wieder. Man hat uns gesagt wir werden bald von einer der Kursleitenden in Empfang genommen. Hektisches Gemurmel auf dem Gang, Fragen tun sich auf. Niemand kann sich was unter einem Amerikakurs für Deutsche vorstellen. Da öffnet sich die Tür zu dem abgegrenzten Bereich wo der Kurs stattfinden wird, und heraus tritt eine Frau, schätzungsweise mitte 30, strähniges blondes mittellanges Haar, in einem mintfarbenen Kostüm mit gepflegtem Äußerem. Sie trägt kleine goldene Ohrringe, hat Lippenstift drauf, ein wenig Makeup im Gesicht und die Augenbrauen gefärbt. Kein Zweifel, das muss unsere Kursleiterin sein. Dazu dieses Grinsen, was den mitleidigen Eindruck erweckt, sie hätte einen Gesichtskrampf oder so ähnlich.
“Hiiii, everybody, welcome. Ich bin Nancy, ich bin 100% amerikanisch, und ich werde euch auf eure Reise vorbereiten.”
“Was immer dich glücklich macht, Nancy, denke ich nur”.
“Jetzt kommt mal alle in den großen Saal da vorne damit wir anfangen können”
Schweigend und gefolgsam zieht das Rudel in die Höhle des Löwen. Im Saal befinden sich weitere Mitarbeiter aus Nancys Team, alle sehen verdammt amerikanisch aus, da werd ich mich anstrengen müssen, um da mithalten zu können. Nancy begibt sich in die Mitte des Raumes und erklärt uns , das jetzt erstmal ein paar allgemeine Tests mit uns gemacht werden. Als erstes kommt der Haarspraytest.
“Ein echter Amerikaner hat immer Haarspray in den Haaren, meine Assistenten werden jetzt euer Haar etwas stylen”
Kaum hat sie das gesagt, stürmen von allen Seiten Nancys Komplizen auf uns zu. An eine Flucht ist nicht zu denken. Jeder hat zwei Flaschen Haarspray in jeder Hand und mit dem gleichen Gesichtskrampflächeln wie Nancy es hat hüllen sie den Raum in eine Wolke aus Haarspray. Ich kann nichts mehr sehen, meine Augen fangen an zu brennen, ich bekomm Haarspray in den Mund und fang an zu husten. Mein Haar wird hart wie ein Bügelbrett und steht steil nach oben. Als man wieder was sehen kann, kommt Nancy auf uns zu und begutachtet das Ergebnis.
“Schon viel amerikanischer, macht immer ganz viel Haarspray in die Haare, dann fallt ihr dort gar nicht auf.”
“Jetzt testen wir eure Verträglichkeit auf Nahrungsmittel. Jetzt setzt euch mal alle da vorne hin wo die Stuhlreihe ist”.
So richtig Lust sich hin zu setzen hat jetzt eigentlich keiner mehr so richtig. Die meisten stochern mit den Fingern in ihren Haaren rum, auf der Suche nach den Wurzeln die nicht von der Chemischen Wolke zerstört worden sind. Aber bedingt durch die Gruppendynamik folgen wir Nancys Anweisung und nehmen auf den Stühlen Platz. Allerdings nicht ohne Vorbehalt, denn es sind keine gewöhnlichen Stühle, sie sind, ähnlich wie ein Zahnarztstuhl nach hinten schwenkbar und zusätzlich mit Arm- und Beinfesseln ausgestattet. Ich komm mir schon eher wie auf dem elektrischen Stuhl vor, ob das wohl auch ein Test ist, falls wir mit dem Gesetz in Konflikt kommen, denke ich kurz, aber Nancy zerstreut alle Bedenken und klärt uns auf:
“Keine Angst, die Fesseln sind nur damit sich niemand verletzt wenn es gleich losgeht.”
“Was soll denn hier losgehen, denke ich, und der Gesichtsausdruck der Leidensgenossen neben mir verrät eindeutig das es bezüglich dieser Frage wirklich Informationsbedarf gibt.”
“Wir werden jetzt eure Verträglichkeit auf die gängigen amerikanischen Grundnahrungsmittel testen, wir beginnen jetz tmitdemColatest”.rnZweivonNancysfiesen Hilfsrobotern kommen auf mich zu. Einer hat einen PVC Schlauch, der andere eine 2 Liter Flasche Cola. Der Stuhl wird mit der Lehne nach hinten gefahren, ich versuche ruhig zu bleiben. Einer schiebt mir den Schlauch in den Mund. Der reibt mit dem Ende beständig gegen meine Mandeln, und treibt mir schon von ganz allein die Kotze in die Augen. Der andere macht die Cola auf, stülpt einen Plastiktrichter auf das andere Schlauchende und lässt den Inhalt der Flasche in den Trichter fließen. Während mein Magen vollgetankt wird, verfluche ich Nancy und fange laut an zu rülpsen.
Die anderen fangen ebenfalls an zu rülpsen, eine schwangere Frau neben mir ist von der Prozedur sichtlich gezeichnet.
Nancy hüpft lachend zwischen den Teilnehmern hin und her und lässt aufbauende Sprüche wie “toll” “schon sehr amerikanisch” und “gut so” fallen.
Ich stelle mir voller Boshaftigkeit vor, wie man mich vom Stuhl befreit und ich den Inhalt meines Magens auf Nancys mintfarbenes Kostüm verteile, und ihren amerikanischen Traum damit zerstöre. Aber irgendwie hat ihre leicht naive Art auch etwas Entwaffnendes, Charmantes an sich. Die Flasche ist jetzt fast leer, der Raum wird von Nancys hysterischem Lachen und lautem Rülpsen erfüllt. Nancy scheint begeistert von uns zu sein, ich selbst staune über das Fassungsvermögen meines Magens. Die Colaattacke konnte uns nichts anhaben, wir haben uns alle als resistent erwiesen. Die Mitarbeiter ziehen uns den Schlauch aus dem Hals und befreien uns von den Stühlen.
Nancy kommt lachend auf mich zu:
“Geht es Ihnen gut, sie müssen wissen, dass Amerikaner sehr viel Cola trinken”.
Ich möchte ihr antworten, aber ich kann nicht sprechen. Stattdessen rülpse ich Sie an, und mein Magen entspannt sich etwas dadurch. Aber Nancy ist nicht böse oder verärgert, sie lacht nur noch mehr, als hätte sie genau diese Reaktion von mir erwartet, um mir ein paar Bonuspunkte gut zu schreiben.
“Gut so, das ist überhaupt kein Problem, lassen sie es ruhig raus.”
“Ich überlege, mir den Finger in den Hals zu stecken, um Nancys Wunsch nachzukommen, aber ich will mich ja hier nicht streiten, sondern amerikanischer werden. Und je mehr Zeit ich in diesem Hotel mit Nancy und den anderen verbrachte, umso mehr wurde mir klar das es anstrengend sein kann, amerikanisch zu sein. Es sollte auch noch ein langer Tag werden, der durch so denkwürdige Ereignisse wie Hamburgerwettessen, Hank Williams Karaokesingen und Texasbullenwettreiten seine Würze bekam. Am Ende wünschten wir uns noch allen eine gute Reise und bedankten uns bei Nancy und dem Team für die gute Vorbereitung.

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